Geschichte - Liederkranz-Hirschau

Liederkranz Hirschau 1848 e.V.
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Geschichte
Liederkranz 1840 e.V. Hirschau
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts fanden sich überall im Land singbegeisterte Männer zu Liederkränzen zusammen. Der erste Sängerkranz bildete sich 1817 in Schwäbisch Hall, 1822 folgte Rottenburg, 1824 Stuttgart und 1825 Ulm. Hirschau war eines der ersten Dörfer, das diesem Beispiel folgte. Im Jahr 1839 wurde der Schullehrer Aegidius Werz in sein Heimatdorf versetzt. Schon im nächsten Jahr, im Dezember 1840, hatte er eine Gruppe Männer versammelt, die Spaß am mehrstimmigen Gesang hatte, und gründete mit ihnen den Liederkranz Hirschau.


Schon wenige Wochen nach der Gründung trat die Sänger Vereinigung an Silvester und am Neujahrstag 1841 zum ersten Mal öffentlich auf. Im Gasthaus „Zum Löwen", dem Elternhaus des Dirigenten, erfreute der Chor die zahlreich anwesenden Mitbürger. Dieses erste Auftreten hatte eine ausgezeichnete Resonanz; viele junge Männer schlossen sich dem Liederkranz als aktives Mitglied an. Am Ostersonntag desselben Jahres wanderten die Sänger im Morgengrauen zur Wurmlinger Kapelle und sangen ihre Lieder ins Tal hinunter.
Im Jahr 1843 nahm der Verein erstmals an einem auswärtigen Sängerfest in Herrenberg teil. Im Jahr 1849 beteiligten sich 32 Sänger am Preissingen auf dem Cannstatter Volksfest. Dort wurde auch die neue Vereinsfahne, die zwei Jahre zuvor angeschafft worden war, mitgeführt. 1874 starb der Vereinsgründer Aegidius Werz. 34 Jahre hatte er als Vorstand und Dirigent die Geschicke des Liederkranzes geleitet. Nachfolger wurde sein Sohn Karl, der ebenfalls als Lehrer im Dorf wirkte. Im März 1912 starb Hauptlehrer Karl Werz nach 38-jähriger verdienstvoller Vorstands- und Dirigententätigkeit. Nun wählten die 50 Sänger des Vereins Jakob Kaltenmark zum Vorstand und Hauptlehrer Rimmele zum Dirigenten. Im gleichen Jahr errangen die Sänger beim 13. Schwarzwaldsängerfest in Trossingen mit dem Lied "König Lenz" einen 1. Preis im einfachen Volksgesang. Der Erste Weltkrieg brachte das Vereinsleben völlig zum Erliegen. Zahlreiche Sänger, unter ihnen der Vorstand, wurden eingezogen, zehn davon fielen im Krieg. Schon wenige Monate nach Kriegsende taten sich die Sänger aufs Neue zusammen und wählten Hugo Fridrich zum Vorstand. Hauptlehrer Rimmele übernahm wie schon vor dem Krieg das Amt des Dirigenten.

Im Jahr 1920 konnte das 80-jährige Vereinsjubiläum, verbunden mit einer Fahnenweihe, gefeiert werden. Leider ging diese neue Fahne beim Rathausbrand 1923 verloren. Mit Unterstützung der Vereine des Schwarzwaldgaus war es jedoch im Jahr 1924 möglich, eine einfache neue Fahne anzuschaffen.

Großen Anteil am Erfolg des Liederkranzes hatten die Dirigenten dieser Jahre durch ihre zielbewusste Leitung und Schulung der Sänger. Bis zum Jahr 1929 versah Hauptlehrer Rimmele das Dirigentenamt, von 1929 bis 1937 war Hauptlehrer Leute der Dirigent und 1938 übernahm Hauptlehrer Zieger die Leitung des Chors. Leid und Sorgen des Zweiten Weltkrieges legten die Vereinstätigkeit völlig lahm. Die meisten Chormitglieder wurden eingezogen. Fünf Sänger fielen im Krieg oder waren vermisst. Als in den folgenden Jahren in den umliegenden Städten und Dörfern des Neckartals die Gesangvereine wieder aktiv wurden, da erwachte auch bei den Hirschauern der Wunsch, ihren alten Liederkranz erneut ins Leben zu rufen. Im März 1948 sang erstmals wieder eine kleine Gruppe unter der Leitung von Hauptlehrer Zieger. Martin Werz hatte die Vorstandschaft des Vereins übernommen.
Es dauerte jedoch noch ein volles Jahr, bis die alten Sänger dank der unermüdlichen Werbung von Kaspar Endreß wieder zu ihrem Liederkranz zurückfanden. Junge Sänger schlossen sich den alten an, und schon im Mai 1949 konnte ein zahlenmäßig starker Männerchor mit einer Frühlingsfeier vor die Öffentlichkeit treten. Der neu entstandene Liederkranz wählte Kaspar Endreß zu seinem Vorstand.
Weil das Fest des 100-jährigen Bestehens infolge des Zweiten Weltkrieges nicht gefeiert werden konnte, war es der Wunsch der Sänger, das 110-jährige Jubiläum festlich zu begehen. Dieses Fest wurde dank des Einsatzes von Vorstand Kaspar Endreß und seiner unermüdlichen Helfer, sowie der eifrigen Probenarbeit von Dirigent und Chor zu einem außergewöhnlichen Erfolg. Ein Markstein in der über 160-jährigen Vereinsgeschichte war die Verleihung der von Bundespräsident Heuss gestifteten Zelter-Plakette. In einer würdigen Feier überreichte der Präsident des Schwäbischen Sängerbundes, Dr. Weiß, am 1. Dezember 1957 in der Reutlinger List-Halle Urkunde und Plakette.
Im Jahre 1958 legte Oberlehrer Zieger nach 20-jähriger Tätigkeit die musikalische Leitung des Chores nieder. Erfreulich rasch konnte in Hauptlehrer Wolfram Schick ein Nachfolger gefunden werden. Seiner Initiative war auch die Gründung des Frauenchores im Herbst des Jahres 1959 zu verdanken.
Die bei einigen Männern bestehende Skepsis wurde jedoch durch die bald darauf einsetzende Belebung der Chorarbeit in Zustimmung umgewandelt. Seinen ersten großen erfolgreichen Auftritt hatte der gemischte Chor 1960 beim 120-jährigen Stiftungsfest in Anwesenheit vieler Ehrengäste in der neuen Turn- und Festhalle. Außerdem beteiligte sich der Gesamtchor am Kritiksingen im selben Jahr, das im Rahmen des Uhlandgauliederfestes in Tübingen abgehalten wurde. Ein großer Erfolg wurde das Sängertreffen des Bezirks Tübingen-Rottenburg im Mai 1963, dessen organisatorische Ausrichtung dem Liederkranz übertragen wurde.
An einem sonnigen Wochenende im Herbst wurde die Partnerschaft unserer Heimatgemeinde Hirschau mit Kingersheim im Oberelsass besiegelt. An dieser Feier nahm der gesamte Chor teil.
Leider verlor der Verein bald darauf seinen tüchtigen Dirigenten Wolfram Schick, der aus beruflichen Gründen den Wohnort wechselte. An seine Stelle trat Hauptlehrer Alois Lohmüller. Fast zu gleicher Zeit, nach mehr als 15 Jahren engagierter Vorstandstätigkeit, musste Kaspar Endreß auf Grund seiner angegriffenen Gesundheit das Vereinssteuer aus der Hand geben. Als Nachfolger wurde im Januar 1964 Wilhelm Binder gewählt.
Zu einem weiteren Höhepunkt in der Vereinsgeschichte wurde das 125-jährige Jubiläum im Mai 1965. Eine große Zahl von Aktiven aus nah und fern und viele Freunde des Chorgesangs feierten mit dem Jubelverein in festlichem Rahmen den großen Geburtstag.
Im Juli 1970 wurde das 130-jährige Stiftungsfest mit einem Festkonzert, an dem auch das Tübinger Kammerorchester und die Sopranistin Marion Feil mitwirkten, gebührend gefeiert. Zum Beginn des Folgejahres konnte der neu nach Hirschau gezogene Schulleiter Richard Stöckle als Chorleiter gewonnen werden. Unter seiner Leitung beteiligte sich der Chor bereits im selben Jahr mit gutem Erfolg am Wertungssingen in Mössingen.
Ein Wechsel in der Vereinsführung ergab sich 1973, als nach neunjähriger Vorstandschaft Willi Binder das Amt in jüngere Hände legte. Wie sein Vorgänger Kaspar Endreß wurde auch Willi Binder für seine großen Verdienste um das Wohl des Vereins zum Ehrenvorstand ernannt. Die Nachfolge wurde an Albert Endreß übergeben, der die Sängerfamilie mit großem Engagement und Umsicht führte.
In den folgenden Jahren war der Verein durch eine größere Zahl von Aktiven des Männerchores auf den bedeutenden Bundessängerfesten in Essen, Berlin und Hamburg gut vertreten. Im Jahre 1980 konnte das 140-jährige Vereinsjubiläum, in Verbindung mit dem zweiten Sängertreffen der Bezirksgruppe Tübingen, begangen werden.
Seit 1979 finden regelmäßig am letzten Adventssonntag unter der Regie des Liederkranzes und auf Initiative des rührigen Chorleiters Richard Stöckle Konzerte in der katholischen Pfarrkirche statt, an denen verschiedene Instrumentalgruppen und Solisten aus Hirschau mitwirken. Gerne lassen sich die vielen Besucher aus Hirschau und näherer Umgebung durch Musik und Gesang auf das unmittelbar bevorstehende Weihnachtsfest einstimmen.
Im Jahr 1985 knüpfte der Stadtteil Hirschau durch den Liederkranz erstmals Kontakte zu der Gemeinde Hirschau in der Oberpfalz. Im Jahre 1990 konnte der Liederkranz das seltene Fest zum 150-jährigen Jubiläum feiern. Mit einem hervorragenden Konzert wurde das Jubiläumsjahr eröffnet. Im Herbst des Jubeljahres wurde das eigentliche Jubiläum gefeiert. Nahezu 30 Vereine und Organisationen nahmen am prächtigen Festzug und anschließenden Chorvorträgen teil.
I
Im Jahr 1993 verstarb der hochgeschätzte Chorleiter Richard Stöckle. 22 Jahre lang war er Garant für das hohe gesangliche Niveau des Chores gewesen. 1994 gab Vorstand Albert Endreß nach 20-jähriger Vorstandstätigkeit sein Amt ab. Als Dank für sein jahrelanges Engagement wurde Albert Endreß zum Ehrenvorstand ernannt. Zu seinem Nachfolger wurde Ernst-Moritz Friedrichs bestimmt, der seither die Geschicke des Liederkranzes leitet. Im selben Jahr konnte mit Herrn Erich Kühner ein erfahrener Chorleiter gewonnen werden.
Das Jahr 2000 stand wieder im Zeichen eines Jubiläums. 160 Jahre alt wurde der Liederkranz Hirschau. Der Geburtstag wurde mit einem Jubiläumskonzert gefeiert.
Seit 2003 leitet Christine Geier den Liederkranz.
Wünschenswert wäre, wenn der Chor aktive Sängerinnen und Sänger gewinnen könnte, damit das chorische Singen auch in Zukunft bestehen kann.



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